Die Schweizer Stahlwerke verarbeiten jährlich 800’000 beziehungsweise 700’000 Tonnen Stahlschrott zu hochqualitativen Stahlprodukten. Auch Aluminiumschrott fliesst heute zu nahezu 100 Prozent wieder in die Produktion. Recycelte Metalle werden so wieder zu einem Qualitätsprodukt. Der Kreislauf ist vollkommen geschlossen.

Andreas Steffes
Geschäftsführer metal.suisse
Die Schweiz hat einen jährlichen Stahlverbrauch von acht Tonnen pro Person. In der Schweiz fallen jedes Jahr etwa 1,5 Millionen Tonnen Schrott an. Die Schweizer Stahlwerke verarbeiten diesen und stellen ihre Qualitätsprodukte ausschliesslich über Recycling her. Der in Gerlafingen produzierte Baustahl ist ein 100-Prozent-Recyclingprodukt, das am Ende seiner Nutzungsphase problemlos ein weiteres Mal dem Kreislauf zugeführt werden kann. Aber auch importierte Bauprodukte wie Stahlträger werden ausschliesslich durch Recycling hergestellt. Die Nachfrage nach Stahlschrott macht die beiden Stahlwerke zu den grössten Recyclingbetrieben des Landes.
Auch die Aluminiumindustrie nutzt Schrott. Allerdings nur zu circa 30 Prozent, da aufgrund der Langlebigkeit des Werkstoffs heute weniger Schrott in die Märkte zurückkommt, als die Produktion nachfragt. Im Vergleich zu anderen Recyclingkreisläufen ist das Schrottrecycling nicht nur wirtschaftlich sehr attraktiv, sondern auch mehrmals wiederholbar. Upcycling ist kein Fremdwort, sondern Standard beim Schrottrecycling. Das Recycling hat einen weiteren grossen Vorteil: Es hält die Lieferwege kurz. Im Gegensatz zu den Primärstoffen, die aus den Abbauregionen zu den Produktionsstandorten gebracht werden müssen, findet das Urban Mining vor Ort statt. Die Produkte wie Baustahl oder Aluminiumfenster werden somit aus lokalem Rohmaterial hergestellt – aus der Region für die Region. Beim Urban Mining werden sie wieder zu Qualitätsprodukten. Den Metallen kommen beim kreislauffähigen Bauen weitere Merkmale zugute: Die Verwendung von besonders hochfesten Metallen reduziert den gesamten Materialeinsatz, die Langlebigkeit des Materials und die flexible Bauweise im Stahlbau unterstützen die Weiterverwendung und Umnutzung von Gebäuden. Das grösste Potenzial besitzt das Material aber bei der Wiederverwendung: Komponenten bis hin zu ganzen Konstruktionen eignen sich besser für die Wiederverwendung als jedes andere Baumaterial. Metalle sind die einzigen Bauprodukte mit standardisierten Querschnitten. Die Langlebigkeit des Materials und die leicht lösbaren Schraub- oder Schweissnähte erleichtern den Rückbau und die Wiederverwendung. Stahlkonstruktionen werden daher schon heute häufig abgebaut und wiederverwendet.
Es gibt keinen Bereich der Wirtschaft oder des Lebens, der heute ohne Stahl und Aluminium auskommen kann. Besondere Bedeutung kommt den Materialien bei der Energiewende und dem Netto-Null-Ziel der Schweizer Regierung zu. Gut zu wissen, dass diese Aufgaben mittels Recyclingmaterialien erfüllt werden können.