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Zuversichtlich in eine automatisierte Zukunft

Credits: Shutterstock

Adrian Vogel, Bereichsleiter Industriesektoren bei Swissmem, über die Herausforderungen der Zukunft und die Notwendigkeit von Automatisierung.

Adrian Vogel

Leiter Industriesektoren
Mitglied der Geschäftsleitung

Vor welchen Herausforderungen steht die MEM-Industrie im Jahr 2023?
Wie wir wissen, steht das MEM für die Maschinen-, Elektro- und Metallindustrie. Wir haben uns aber kürzlich entschieden, unsere Branche in Zukunft als Tech-Industrie zu bezeichnen. Das widerspiegelt die Realität viel besser, weil die Branche viel mehr umfasst als «nur» MEM. Wir haben als Schweizer Tech-Industrie drei grosse Herausforderungen, denen wir uns stellen müssen. Zum einen ist da der Fachkräftemangel, der auch uns sehr betrifft. Der zweite Punkt ist die Energiethematik. Da blicken wir sorgenvoll auf die Verfügbarkeit genauso wie auf den Preis. Und der dritte Punkt ist der Zugang zu internationalen Märkten. Wir stellen insbesondere in den USA und der EU einen vermehrten Protektionismus fest. Auch merken wir, dass die Globalisierung, die für die Schweizer Wirtschaft sehr wichtig ist, etwas an Fahrt verliert und unter Druck gerät. Unsere Tech-Industrie exportiert knapp 80 Prozent der hergestellten Güter in alle Welt. Bei diesem dritten Punkt geht es auch um Freihandelsabkommen, die aufgesetzt oder verbessert werden müssen. Und auch das bilaterale Verhältnis zur EU spielt eine Rolle. Als Nebenschauplätze sollten wir zudem die Stabilisierung der Lieferketten und das sehr hohe Lohnniveau in der Schweiz als Herausforderung im Blick behalten. Wie wird sich die Tech-Industrie in den nächsten Jahren weiterentwickeln müssen?

Wir haben in der Schweiz so viele coole Industrieperlen, da können wir stolz darauf sein. Das Gerücht, dass die Schweiz von einer Deindustrialisierung betroffen sei, ist definitiv falsch. Seit Jahren sind über 325’000 Mitarbeiter in der Tech-Industrie beschäftigt, unsere Schweizer Unternehmen sind wettbewerbsfähig. Aber um diesen Standard zu halten, müssen wir innovativ bleiben. Denn nur mit hoher Innovationskraft und einer stetigen Verbesserung der Produkte, aber auch der Produktionsanlagen können wir das schaffen. Eine weitere wichtige Herausforderung für uns ist, das Bewusstsein und das Verständnis in der Bevölkerung für die Tech-Industrie zu schärfen. Unsere Industrie, unsere Firmen arbeiten schon heute an den Lösungen für die Herausforderungen der Zukunft. Daher muss man der Bevölkerung vor Augen führen, wie cool unsere Tech-Industrie ist. Die Digitalisierung wird auch eine der grossen Herausforderungen für uns bleiben. Wir müssen nicht nur in der Entwicklung, sondern auch in der Produktion immer automatisierter werden, um die Wettbewerbsfähigkeit beizubehalten. Auch das Thema Nachhaltigkeit beschäftigt uns natürlich.

Was bedeutet Industrie 4.0 für die Tech-Industrie?
Industrie 4.0 ist ja ein Schlagwort, das zahlreiche Prozesse und Transformationen in der Industrie zusammenfasst. Wichtig für uns als Tech-Industrie ist dabei sicher, die Digitalisierung der Produktionsanlagen voranzutreiben. Ein grosser Punkt bei der Digitalisierung ist auch das Problem der Cyberkriminalität und der notwendigen Sicherheitsvorkehrungen, die getroffen werden müssen, um sich als Unternehmen vor Angriffen oder Datendiebstahl zu schützen. Aber natürlich kommen auch Themen wie Effizienzsteigerung und Kosteneinsparung auf den Tisch. Auch die Optimierung von Prozessen in der Fertigung, meist durch Automation erreicht, ist ein wichtiger Punkt. Einen grossen Vorteil sehen wir als Tech-Industrie in den Möglichkeiten, die uns die Digitalisierung mit der «Preventive Maintenance» an die Hand gibt. Wenn ich proaktiv schon Bauteile ersetzen kann, bevor sie ausfallen und der gesamte Betrieb steht, ist das natürlich ein grosser Vorteil. Auch in der Qualitätssicherung ergeben sich durch die Hinwendung zur Industrie 4.0 ganz neue Möglichkeiten.

Was hat es mit dem Begriff «Semiconductors» auf sich?
Unter Semiconductors versteht man die allgegenwärtigen Halbleiter, die im Mobiltelefon, im Auto und in allen anderen elektronischen Geräten stecken, ohne die unser modernes Leben nicht mehr möglich wäre. Für die Schweiz ist das ein sehr wichtiges Thema. Wir sind auf diesem Gebiet schon gut besetzt. Rund 100 Firmen sind in der Schweiz mit der Entwicklung und Produktion von Halbleitern beschäftigt, da geht es um 15’000 Mitarbeiter. Für uns als Tech-Industrie ist es natürlich wichtig, dass die Schweiz bei diesem zukunftsträchtigen Thema zuvorderst mit dabeibleibt. Auch im Sinne der Innovation. Und wichtig ist natürlich, dass diese Firmen in der Schweiz bleiben. Wir müssen das Bewusstsein, gerade in der Politik, schärfen, dass wir weiterhin gute Rahmenbedingungen benötigen.

Welchen Stellenwert nimmt die Automatisierung ein?
Ein möglichst hoher Grad der Automatisierung ist für uns als Tech-Industrie ein Schlüssel, um im internationalen Konkurrenzumfeld bestehen zu können. Die Automatisierung ist für Fertigungsprozesse, Präzision, Qualität und entsprechende Stückzahlen ein ganz wichtiger Faktor. Auch oder gerade in Spezial- und Nischenanwendungen.

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